Reichtum, Mord und Exil: Felix Jussupows unkonventionelles Leben
Geboren in eine der reichsten und mächtigsten Familien Russlands, war Felix Jussupow ein Mann der Widersprüche. Als Adliger, der privilegiert aufwuchs, zeigte er sowohl rebellische Züge als auch einen komplexen Umgang mit seiner eigenen Bisexualität in einem konservativen Umfeld. Seine Rolle in der Ermordung des mysteriösen Grigori Rasputin ist legendär, doch auch sein persönliches Leben und seine spätere Existenz im Exil faszinieren.

Aristokratische Herkunft und exzentrischer Lebensstil
Felix Felixowitsch Jussupow wurde 1887 in St. Petersburg geboren und in einem Palastumfeld aufgezogen, umgeben von Kunst und Kultur. Trotz seines aristokratischen Hintergrunds suchte Jussupow nach persönlicher Bedeutung und Freiheit, was ihn oft in Konflikt mit den Erwartungen seiner Familie brachte. Während seiner Studienzeit in Oxford wurde er für seine Liebe zu Kunst und Mode sowie sein ausschweifendes Sozialleben bekannt, was die Grenzen des Konventionellen oft überschritt. Den größten Teil seiner Freizeit verbrachte er mit Freunden wie Oswald Rayner, einem britischen Geheimdienstler, von dem angenommen wird, dass er wie Jussupow in die Ermordung Rasputins involviert war. Er freundete sich außerdem mit dem Pianisten Luigi Franchetti sowie Jacques de Beistegui an. Beide zogen in seine für russische Verhältnisse kleine Residenz in Oxford ein. 1912 kehrte Jussupow jedoch nach Russland zurück, um sich um die Verwaltung seines Vermögens zu kümmern. In St. Petersburg entwickelte er für eine Zeit eine enge und ausschweifende Freundschaft zu Großfürst Dimitri Pawlowitsch, einem Cousin des letzten russischen Zaren Nikolaus II.
Homosexuelle Neigungen in einem konservativen Umfeld
Felix Jussupow führte ein extravagantes Leben voller Luxus und Dekadenz. Er war bekannt für seine Vorliebe, sich in Frauenkleider zu kleiden, was zu jener Zeit sowohl in aristokratischen Kreisen als auch in künstlerischen Gemeinschaften nicht ungewöhnlich war, und wurde von Zeitgenossen oft für seine androgyne Erscheinung und seine Schönheit bewundert.
Jussupows sexuelle Orientierung war ein offenes Geheimnis unter seinen Zeitgenossen. In einer Ära, in der Homosexualität in Russland sowohl illegal als auch tabuisiert war, führte Jussupow sein Leben mit einer gewissen Vorsicht, aber auch mit einer unverkennbaren Ablehnung der herrschenden Normen.
Ehe und Familie
1914 heiratete Felix Jussupow Irina Alexandrowna Romanowa, eine Nichte des Zaren. Ihre Ehe war eine Verbindung zweier mächtiger Familien und brachte ihm eine Stellung nahe dem Zarenhof. Trotz seiner bekannten bisexuellen Neigungen und der damit verbundenen Gerüchte führte das Paar eine respektierte Ehe und bekam eine Tochter, Irina Felixowna Jussupowa. Die Ehe bot ihm eine gewisse gesellschaftliche Absicherung, auch wenn sein persönliches Leben komplex und von Gerüchten umgeben blieb.

Die Ermordung Rasputins
Die zunehmende Unzufriedenheit mit Rasputins Einfluss am russischen Hof, insbesondere seine Nähe zu Zarin Alexandra, führte dazu, dass Jussupow sich an der Verschwörung zur Ermordung des Mönchs beteiligte. Die deutschstämmige Zarin sah in Rasputin einen Wunderheiler, der ihrem an Hämophilie leidenden Sohn Alexej helfen konnte, zu überlegen.
Am 16. Dezember 1916 lockte Jussupow Rasputin in seinen Palast, wo er zusammen mit anderen Verschwörern, darunter Großfürst Dmitri, den Mönch vergiftete, erschoss und letztlich ermordete.
Die Tat war brutal und die Leiche wurde später in der zugefrorenen Newa gefunden. Die Zarin forderte die sofortige Erschießung von Fürst Jussupow und Großfürst Dimitri, konnte jedoch von diesem Plan abgebracht werden. Stattdessen wurde Jussupow auf seine Landgüter verbannt und Dimitri an die Weltkriegsfront an der persischen Grenze versetzt.
Nachdem der Zar im Lauf der Februar-Revolution 1917 abdankte, konnten die Jussupows wieder in ihren Palast nach St. Petersburg zurückkehren. Es gelang Ihnen später mit wertvollen Juwelen und zwei Rembrandt-Gemälden auf die Krim zu fliehen. Von dort wurden sie zusammen mit der Mutter des gestürzten Zaren und weiteren Romanows auf dem englischen Kriegsschiff HMS Marlborough evakuiert.

Leben im Exil
Jussupow verbrachte den größten Teil seines Lebens in Europa, hauptsächlich in Frankreich, wo er versuchte, seine aristokratische Existenz in einer veränderten Welt neu zu definieren. Im Exil umgab er sich mit einer Mischung aus anderen russischen Emigranten, Aristokraten und Künstlern. Er und seine Frau Irina blieben wichtige Figuren in der russischen Exilgemeinschaft und waren oft Gastgeber oder Gäste bei gesellschaftlichen Veranstaltungen in Paris. Dennoch steckte er im Exil in finanziellen Schwierigkeiten, die durch den Verlust seines enormen Vermögens in Russland entstanden, es gelang ihm jedoch, eine neue Rolle in der Gesellschaft der Emigranten zu finden.
Trotz des Glamours und der scheinbaren Normalität, die er und Irina in ihrem Exil-Leben aufrechtzuerhalten versuchten, war Jussupow oft von Nostalgie und einer gewissen Melancholie bezüglich des verlorenen Russlands geprägt. Er blieb zeitlebens eine ambivalente Figur, die sich zwischen der Sehnsucht nach der Vergangenheit und dem Versuch, in der neuen Realität Fuß zu fassen, bewegte.
Späte Jahre
In seinen späten Jahren zog sich Jussupow zunehmend zurück und lebte relativ zurückgezogen. Er starb 1967 in Paris und hinterließ ein komplexes Erbe, das von seiner Rolle in einem der dramatischsten Ereignisse der russischen Geschichte bis zu seinem langen Exil reicht. Seine Memoiren und die Geschichten, die er hinterließ, bieten einzigartige Einblicke in die letzte Ära des russischen Imperiums und die Turbulenzen des 20. Jahrhunderts.

